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Wie macht ihr das mit der Schule?

Die Frage nach der Schulpflicht für Sophie ist die am häufigsten gestellte Frage und eigentlich auch immer die Erste im Zusammenhang mit unserer Weltreise.

Unsere Antwort kommt uns mittlerweile so leicht von den Lippen.
Aber das war nicht immer so. Wir grübelten eigentlich schon seit Jahren. Wir wollen länger auf reisen gehen und uns nicht immer nur auf Schulferien beschränken. Aber in Deutschland gibt es nun mal die Schulpflicht. Das bedeutet doch, dass jedes Kind in die Schule muss und wenn man sein Kind nicht in die Schule schickt, werden einem die Kinder entzogen.

Solche und noch viele weitere „Horrormärchen“ kennt wohl jeder.

Leider ist es tatsächlich so, dass einem Bußgeldstrafen drohen, sollten die Kinder keine Schule besuchen. Traurig! Ist es doch in den meisten Länder schon gang und gebe, dass Kinder von zu Hause unterrichtet werden dürfen. Deutschland jedoch hält sich nach wie vor an das Schulgesetz von 1919. Seit hundert Jahren gilt das nun schon! Ursprünglich war das ja eine gute Sache, denn somit konnten die Kinder nicht mehr zur Arbeit gezwungen werden. Aber heute gibt es doch u. a. auch das Arbeitsschutzgesetz.

Seit je her wird uns eingeredet, dass wir in der Schule gut aufpassen sollen, gute Noten schreiben müssen, um später mal das große Geld verdienen zu können. Aus diesem Grund müssen alle Kinder, sobald sie 6 Jahre alt sind in die Schule. Egal auf welchem Entwicklungsstand sie sich befinden.

Alle Kinder müssen das gleiche lernen, egal welche Interessen sie haben.

Stillsitzen, leise sein, nicht während des Unterrichts essen oder trinken und auf gar keinen Fall auf Toilette gehen. Das stört nämlich alles den Unterricht.

Bei den meisten Kinder funktioniert ein strenger frontal Unterricht, denn sie haben Angst davor, bestraft zu werden, wenn sie nicht aufpassen. Bestrafung in Form von Nachsitzen, Demütigung vor den Klassenkameraden, einer Mitteilung an die Eltern, Strafarbeit ….

Also lernen unsere Kinder Unterrichtsstoff auswendig für eine bevorstehende Probe, der unmittelbar danach wieder vergessen wird.

Mal ehrlich, wie viel Wissen habt ihr aus eurer Schulzeit mitgenommen? Die Schulzeit beträgt mindestens 9 Jahre aber man lernt nicht, wie man ein Konto eröffnet, wie man eine Steuererklärung macht, wie man Wäsche wäscht …….

Trotzdem eignen wir es uns an. Wir lernen etwas, obwohl wir es nicht in der Schule von einem Lehrer vorgetragen bekommen haben.

Unsere Sophie ist ein Paradebeispiel dafür, dass unser Schulsystem dringend auf Vordermann gebracht werden sollte.

Wie so oft sind wir Nachmittags bei den Hausaufgaben gesessen und nicht weiter gekommen. Stundenlang haben wir versucht, die Lehrer glücklich zu stellen. Dabei wollte Sophie sich am Nachmittag von der Schule erholen, spielen gehen, Freunde treffen, toben, tanzen, turnen KIND SEIN. Stattdessen haben wir viele Nachmittage gekämpft.

Aber nicht nur bei den Hausaufgaben sondern auch während der Schulzeit ist es ihr nicht gelungen, sich anzupassen.

Gut so!!! Jeder Mensch ist anders und hat andere Interessen und Fähigkeiten.

Leider war mir das nicht von Anfang an klar. Auch ich bin aufgewachsen mit der Meinung, man muss in der Schule gut sein und dringend aufs Gymnasium gehen, damit später mal was anständiges aus einem wird.

Als das mit Sophie so gar nicht zum Laufen kommen wollte in der Schule ( „Hauptproblem“ das Stillsitzen), haben uns die Lehrer zum Kinderpsychologen verwiesen, der natürlich ADHS festgestellt hat. Das kann man nur durch die Einnahme von Tabletten kontrollieren, wurde uns gesagt. Wir waren geschockt! Ich kann meine 6 jährige Tochter doch nicht mit Tabletten ruhig stellen. Hin- und Her gerissen von dem schulischen Druck und Sophies angeblichen Problem haben wir vieles ausprobiert. Leider immer zum Nachteil unserer Tochter.

Die Nachmittage die wir beim Kinderpsychologen, beim Konzentrationstraining oder bei anderem Fachpersonal verbracht haben, hätten wir sinnvoller nutzen können. Nämlich am Spielplatz oder bei Freunden.

Kinder haben von Geburt an einen natürlichen Wissensdurst. Sie saugen Informationen auf wie ein Schwamm. Sie lernen ohne eine Schule zu besuchen zu krabbeln, zu laufen, eine Muttersprache. Im Kindergartenalter dürfen sie noch spielerisch das erlernen, was sie interessiert. Bei Sophie waren es Tierarten, bei Jonas sind es derzeit Fahrzeuge. Und damit kennen sie sich bestens aus, obwohl sie das nicht in der Schule gelernt haben.

Wenn die Kinder dann das Schulalter erreichen wird ihnen dieser natürliche Wissensdurst genommen. Denn plötzlich müssen sie Sachen lernen, die für sie vielleicht gerade total überflüssig sind. Trotzdem werden sie gezwungen sich etwas anzueignen, was eben alle Kinder in dem Alter können müssen. Ist das vielleicht der Grund, warum Kinder früher oder später die Schule doof finden?

Wir haben uns letztendlich dafür entschieden, Sophie aus der Schule raus zu nehmen. Wir werden sie auf Reisen frei lernen lassen. Im englischen bekannt unter dem Begriff „unschooling“,

Kinder lernen genau das, was sie gerade interessiert und wir als Erwachsende unterstützen sie mit unserem Wissen dabei. Vorausgesetzt, sie verlangen nach unserer Unterstützung. Sollten wir mal nicht weiter kommen, weil Sophie z. B. Gitarre lernen möchte, werden wir dementsprechend Hilfe in Anspruch nehmen, in Form eines Gitarrenlehrers. Bei Fragen, die gerade nicht von einem Erwachsenen oder anderen Kindern beantwortet werden können, kann das Internet befragt werden.

Viele mögen das erstmal sehr kritisch beurteilen, denn was ist denn mit einem Schulabschluss. Der ist doch nötig für einen späteren Beruf, damit verbauen wir ihr doch ihre Zukunft.

Allem voran, ist es uns egal, was unsere Kinder später für einen Beruf erlernen. Wir lieben unsere Kinder gleichermaßen, egal ob sie Zahnarzt oder Putzfrau werden.

Wenn unsere Kinder einen Schulabschluss machen möchten, dürfen sie das natürlich auch.

Aber dieser Wunsch kommt dann eben wieder von unseren Kindern selbst und nicht von uns oder einer dritten Person.

Es ist möglich sich als „externer Schüler“ für eine Abschlussprüfung anzumelden. Es ist nicht erforderlich, vorher diese Schule zu besuchen.

Wenn unsere Kinder im Laufe der Zeit wieder in eine schulische Einrichtung möchten, verweigern wir das nicht. Wir können jederzeit die Möglichkeit schaffen, dass sie wieder an einem Schulunterricht teilnehmen. Aber eben nur dann, wenn unsere Kinder das möchten.

Wir werden uns aus Deutschland abmelden. Wir haben dann auch keinen gewöhnlichen Aufenthaltsort mehr in Deutschland, somit kann die Schulpflicht nicht mehr greifen.

Eine andere Möglichkeit, Kinder aus der Schule zu nehmen, gibt es leider nicht. Denn auch Heimunterricht ist in Deutschland untersagt.

Eure Meinung

Jetzt sind wir gespannt auf eure Erfahrungen mit der Schule, und dem Freilernen? Wie lernen eure Kinder derzeit? Wir freuen uns über eine rege Diskussion 🙂

Comments:

  • Julia

    2. Mai 2019

    Wow!! Wunderbar formuliert ? Ihr habt so Recht ?

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  • Tanja Strittmatter

    5. Mai 2019

    Als ich das gelesen habe, dachte ich an meine Tochter Stephanie. Ihr kennt euch ja. Sie machen ab Oktober 2019 eine Europatour.
    Sie hat die gleiche Einstellung. ?
    Viel Glück euch.

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  • Nina

    26. Juni 2019

    Wir haben ein halbes freies Jahr hinter uns und seit Ostern sind die Kinder zurück in der Schule. Ein halbes Jahr raus und dann und wann den Unterrichtsstoff, den die Schulen uns mitgegeben haben im Bus gelernt. Ohne Probleme sind meine beiden LRS Kinder wieder in die 2. und 5. Klasse zurückgeflutscht. Es war das Beste was wir machen konnten und am liebsten hätten wir mehr davon. Mal sehen, was geht. Toll, dass ihr noch unterwegs seid. Das Schulsystem braucht dringend eine Überarbeitung. Aber was ich auch interessant finde ist die große Angst vieler Eltern, dass ihr Kind nur mit Gymnasium der Weg zu einem guten Job offen steht. Woher kommt diese Angst in einer Zeit der Vollbeschäftigung und des billigen Geldes? Ich finde es wichtig, dass sie etwas machen, was ihnen von Herzen Freude macht und freue mich, wenn ich sie ein bisschen begleiten darf. Puschen bringt da glaube ich gar nichts.
    Liebe Grüße aus Frankfurt
    Nina
    Insta: Nina.Nordend

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  • Elvine

    3. Juli 2019

    Hallo ihr vier. Ich finde das toll was ihr macht. Mutig, gewagt und ihr habt so recht.
    Ich wünsche euch von ganzem Herzen viele schöne Momente, viele neue Erfahrung ganz viel Spaß, Lachen und unvergessliche Erlebnisse. Eure Kinder werden davon mit Sicherheit nur profitieren.
    Eine Frage hab ich an euch. Ihr habt die Deutsche Staatsbürgerschaft oder Angehörigkeit aufgegeben? Seid ihr dann staatenlos oder habt ihr eine andere? Wie funktioniert das im Detail?

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  • Anne

    30. Mai 2020

    Ich finde die Unschooling Idee super, habe viele Freunde in Dänemark, die mit anderen Familien zusammen einen Riesen Hof haben und das Prinzip da verfolgen, dadurch das dort mehr Familien aus allen Himmelsrichtungen kommen lernen die Kinder zudem viel leichter Fremdsprachen, weil sie einfach sprechen und nicht erst Grammatik im Buch pauken. Ich hätte mir sowas für mich gewünscht, ich selber finde das Schulsystem und das Unisystem grausam. Schlimmer als Schule fand ich dann noch die Uni, man konnte sich gar nicht frei entfalten wie man wollte, obwohl einem das ja in der Schule gesagt wurde und immer wieder darauf verwiesen wurde, in der Uni läuft das dann so und so. Heutzutage ist leider die Uni genau so verschult wie die Schule selber. Ich finde es toll, dass ihr eure Kinder entscheiden lasst wann sie in die Schule wollen und ob. Macht weiter so ??

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    • 30. Mai 2020

      Hi Anne, danke für eine Zustimmung. Das mit dem Hof finden wir sehr interessant. Sowas können wir uns für uns und unsere Kids in Zukunft ebenfalls vorstellen.

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  • Carolin

    7. April 2021

    Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit als sich aus Deutschland abzumelden? Sorry, bin neu in dem Thema. Weg aus Deutschland würde bei uns leider nicht gehen aufgrund einer Patchwork-Situation.

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    • 29. April 2021

      Ja gibt auch Wege in Deutschland aber die sind meist mit viel Bürokratie, Rechtlichen Auseinandersetzungen und viel Ausdauer verbunden.

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  • Luisa

    15. März 2022

    Es ist wirklich traurig, dass Deutschland in dieser Sache so altmodisch und starr ist. Ich habe vier Geschwister – von uns fünfen kommt einer gut in der Schule zurecht, zwei sind „so einigermaßen“ durchgekommen und zwei (mein großer Bruder und ich) hatten z. T. ziemliche Probleme. Diese Probleme begründeten sich nicht in Dummheit oder irgendwelchen psychischen Störungen, sondern darin, dass wir andere (Lern-)Bedürfnisse hatten. Mein Bruder brauchte ähnlich wie eure Sophie viel Bewegung und Freiraum, wurde deswegen zu verschiedenen Psychologen geschickt und stieg auf der Schultyp-Leiter vom Gymnasium bis zur Hauptschule „ab“, bevor er sich dann mit 19 einfach von der Schule abmeldete. In seiner Freizeit brachte er sich jedoch selbst Spanisch bei und beschäftigte sich mit dem Thema der Quantenphysik, einfach weil es ihn interessierte. Ich bin zwar irgendwie durch mein Abi gekommen, lerne aber am besten im Alltag, wenn ich den Lernstoff mit meiner aktuellen Realität und auch interdisziplinär verknüpfen kann. Warum lernt man in der Schule meist alles unabhängig voneinander, wenn es im „echten Leben“ doch alles zusammenhängt?

    Es erschreckt mich, wie wenige hier in Deutschland das System wirklich hinterfragen, weil sie es für selbstverständlich und unabdingbar halten. Ich musste selbst erst aus diesem Gedankenmuster herauskommen, dass man zur Schule gehen muss, damit „etwas aus einem wird“ und stoße heute bei Diskussionen auf unglaublichen Gegenwind und häufig meine eigenen Argumente von damals. Ich hoffe, Geschichten wie eure verbreiten sich und tragen dazu bei, dass mehr Familien sich trauen, diesen Schritt zu gehen bzw. auch nur darauf aufmerksam werden, damit sich bald etwas ändern kann und wird! Euch alles Gute für euren weiteren Weg. 🙂

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